Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Projekte

19.02.2018 - Artikel

Die Projekte der Deutschen Botschaft Rom.

Deutsche Wiederaufbauhilfe in Onna

Onna
Onna © Deutsche Botschaft

Besonders getroffen wurde die Ortschaft Onna mit ihrer rund 1000 jährigen Geschichte: Von den 280 Bewohnern wurden 41 getötet. Jede Familie in Onna hat Angehörige verloren. 90% der Häuser wurden zerstört. Auch die öffentlichen Einrichtungen in Onna, wie Kirche, Kindergarten und Seniorenbegegnungsstätte wurden bei dem Erdbeben schwer beschädigt.

Am 11. Juni 1944 hatte die deutsche Wehrmacht in Onna 17 unschuldige Zivilisten, darunter Frauen und Jugendliche, im Rahmen einer Vergeltungsaktion exekutiert. Aufgrund dieser tragischen historischen Verbindung hat Deutschland entschieden, seine Hilfsleistungen auf das zum Symbol des Erdbebens gewordene Onna zu konzentrieren.

Der Wiederaufbau Onnas wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die deutsche Initiative will eine komplementäre Unterstützung zur Wiederaufbauhilfe des italienischen Staats bieten:

- Das Auswärtige Amt finanzierte unmittelbar den Einsatz eines neunköpfigen THW-Teams sowie eines Baufachberaters (i.H.v. 140.000 €)

- Das BMVBS hat 2010 3,5 Mio. Euro für die bautechnisch anspruchsvolle Wiederherstellung der Ortskirche Onna San Pietro Apostolo aus dem 13. Jh. zugesagt. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich bei den Vorarbeiten für die Renovierung besonders engagiert und eine Glocke gespendet. Das BMVBS hat Februar 2012 einen deutschen Nachguss der beim Erdbeben beschädigten großen Glocke des Geläuts nach Onna geliefert; sie ist derzeit im Gemeindehaus aufgestellt. Die Verantwortung für die Durchführung des Gesamtprojekts liegt seit Anfang 2011 auf italienischer Seite. Nach Ende der Vorarbeiten und Ausschreibung wird mit einer Bauzeit von 18 Monaten gerechnet.

- Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat persönlich ca. 80.000 Euro Spenden eingeworben.

- Die Botschaft warb – Stichwort: „Public-Private-Partnership“ – bei der in Italien ansässigen deutschen Wirtschaft, in Bundesländern und bei Privatleuten um Unterstützung für die Wiederaufbauhilfe und hat hierfür Spendenkonten eingerichtet. Spenden kamen von mehreren deutschen Unternehmen, an erster Stelle eine Spende der Volkswagen AG in Höhe von 1 Mio. €. Weitere erhebliche Beiträge leisteten Unicredit, Deutsche Bank Italia, ThyssenKrupp Italia und E.on Italia. Die Bürger der Partnerstadt Rottweil haben allein ca. 300.000.- Euro gesammelt.

Als erste sichtbare Wiederaufbaumaßnahme wurde aus diesen Spenden ein Bürgerhaus „Casa Onna“ auf dem Grundstück des zerstörten Gemeindehauses gebaut (Kosten: 1,3 Mio. €). Somit hatten Onnas Bürger wieder eine Begegnungsstätte. Die „Casa Onna“ wurde am 7. Oktober 2010 vom deutschen Botschafter offiziell im Beisein der Hauptspender an die Onnesi übergeben. Das Bürgerhaus wird seitdem als Veranstaltungort für zahlreiche regionale und überregionale Veranstaltungen von Gruppen aus ganz L'Aquila genutzt.

Zur Vorbereitung der städtebaulichen und stadtgestalterischen Planung des neuen Onna wurde mit den Spendenmitteln ein Masterplan und ein Wiederaufbauplan finanziert. Die Dokumente wurden der Stadt L'Aquila zum zweiten Jahrestag am 6. April 2011 übergeben.

Im Frühjahr 2013 wurde dann der Gemeinde das dritte und letzte Projekt übergeben, nämlich das Ortsmuseum 'Casa della Cultura', welches nach kurzfristiger Umstellung eines funktionstüchtigen neuen Kindergartens an andere Stelle nun als Kulturhaus umstrukturiert wurde. Dieses Projekt ist, ähnlich wie Casa Onna und der Wiederaufbauplan, Vorbildcharakter für den Wiederaufbau der Region.

Das Gebäude ist mit nachhaltigen Verfahren saniert und energetisch optimiert worden, um einen regenerativen Betrieb und dauerhafte niedrige Betriebskosten gewährleisten zu können. Die Arbeiten sind mit großer Sorgfalt durchgeführt worden und aufgrund von regelmäßigen Gesprächen mit den Bürgern Onnas und Vertretern der Deutschen Botschaft, auch in Abstimmung mit dem Bürgermeister von L’Aquila, konnten sehr gute bauliche Voraussetzungen für die konkrete Nutzung des Gebäudes geschaffen werden.

Mit diesem Kulturhaus und dem Museumskonzept ist ein Anschauungsobjekt geschaffen worden, welches als regional zu bewerbendes Museumsgebäude funktionieren soll, das den Ort Onna zu einem attraktiven Ziel für Besucher aus der Region wie auch Touristen machen soll.

Im Rahmen einer feierlichen und bewegenden Festveranstaltung am 07. Mai 2016 mit anschließender Kirchweihe und Gottesdienst übergab Staatssekretär Gunther Adler (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, BMUB) zusammen mit der Staatssekretärin des italienischen Kulturministeriums, Ilaria Borletti Buitoni, in Anwesenheit von Botschafterin Dr. Susanne Wasum-Rainer und hochrangigen staatlichen Vertretern aus der Region L´Aquila/Abruzzen nach dreijähriger Bauzeit die vom Erdbeben zerstörte Kirche San Pietro Apostolo . Dieses Ereignis fand unter großer Beteiligung der Gemeinde, der regionalen und überregionalen Öffentlichkeit und unter großem Medieninteresse statt.

Die Vollendung dieses gemeinsamen Projekts am Ort deutscher Kriegsverbrechen wurde von allen Beteiligten als gelebtes Zeichen der deutsch-italienischen Freundschaft und Zeugnis funktionierender europäischer Zusammenarbeit gewürdigt.

Addiopizzo

.
. © addiopizzo

In Sizilien ist „Pizzo“ das Wort für Schutzgeld. Das ist das System, das die Mafia benutzt, um das Territorium unter Ihrer Kontrolle zu halten. Der „Addiopizzo“-Stadtplan von Palermo in deutscher Sprache finden Sie bei den dortigen touristischen Infozentren oder kann auf folgendem Link runtergeladen werden. Die Deutsche Botschaft Rom unterstützt seit Jahren diese Initiative.



nach oben