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Erinnerungskultur

Im November 2008 war die deutsch-italienische Historikerkommission anlässlich des deutsch-italienischen Gipfels in Triest eingesetzt worden, um gemeinsam die deutsch-italienische Kriegsvergangenheit aufzuarbeiten. Der Ende 2012 erschienene Abschlussbericht der Kommission, der besonders auch das Schicksal der ehemaligen italienischen Militärinternierten untersucht, enthält auch konkrete Empfehlungen zur Schaffung einer gemeinsamen Erinnerungskultur.

Zur Umsetzung der Empfehlungen richtete die Bundesregierung einen deutsch-italienischen Zukunftsfonds ein, aus dem Projekte finanziert werden. Diese werden in enger Zusammenarbeit mit dem italienischen Außenministerium ausgewählt. Auf dieser Seite stellen wir einige diese Projekte sowie weitere Initiativen vor.

Am 19.12.2013 nahm der damalige Außenminister Westerwelle in Rom mit seinem italienischen Amtskollegen Giulio Terzi den Abschlussbericht der deutsch-italienischen Historikerkommission entgegen. Die Kommission war im November 2008 anlässlich des deutsch-italienischen Gipfels in Triest eingesetzt worden zur gemeinsamen Aufarbeitung der deutsch-italienischen Kriegsvergangenheit. Unter anderem enthält der Bericht, der besonders auch das Schicksal der ehemaligen italienischen Militärinternierten untersucht, konkrete Empfehlungen zur Schaffung einer gemeinsamen Erinnerungskultur.


Ein Schwerpunkt bei der Umsetzung der Empfehlungen der Historikerkommission sind die sogenannten „Erinnerungsprojekte“ in den Gemeinden, die von den deutschen Kriegsverbrechen betroffen waren. Diese Verbrechen werden im Forschungsprojekt „Atlas der Gewalt“ erforscht und dokumentiert. Gemeinsam mit dem italienischen Außenministerium wählt die Botschaft die Projekte in den Gemeinden aus, stellt die Finanzmittel aus dem Zukunftsfonds bereit und begleitet die Projektpartner bei der Umsetzung.

Der Bericht untersucht besonders das Schicksal der ehemaligen italienischen Militärinternierten und gibt konkrete Empfehlungen zur Schaffung einer gemeinsamen Erinnerungskultur.
Unter "Downloads" können Sie den gesamten Bericht herunterladen.

Italienischer Militärinternierter (IMI) war die deutsche Bezeichnung für die italienischen Soldaten, die von September bis November 1943 nach Abschluss des Waffenstillstandes zwischen Italien und den Alliierten von deutschen Truppen festgenommen wurden und sich weigerten, auf der Seite von Hitler und Mussolini den Krieg fortzusetzen. Diese 600.000 Soldaten wurden in Lagern interniert, zur Arbeit gezwungen, und erlitten Hunger, Kälte und Krankheiten. Viele kehrten nie zurück.


Totengedenkbuch (ANRP)

Aus den Mitteln des Zukunftsfonds wird das Totengedenkbuch finanziert, in dem durch deutsche und italienische Forscher alle IMI eingetragen werden, die 1943-45 in deutschen Lagern starben. Das italienische Außenministerium hat parallel hierzu Mittel für die Erstellung eines „biographischen Lexikons“ zur Erfassung der überlebenden IMI bereitgestellt. Der Verband ANRP führt das Projekt durch.

ANRP (Associazione Nazionale Reduci dalla Prigionia, dall’Internamento, dalla Guerra di liberazione e loro familiari) als Verein anerkannt seit 1949, vertritt die ehemaligen Internierten/Gefangenen und deren Familienmitglieder. Direkt nach dem 2. Weltkrieg waren es 600.000, heute noch 8.323. Im Laufe der Zeit hat der Verein seine Rolle neu interpretiert und widmet sich nun der historischen Forschung an Archivdokumenten und Zeugenaussagen, damit die Erinnerung an die Vergangenheit den zukünftigen Generationen zur Vertiefung des Wissens und zum Nachdenken dienen kann.
ANRP gibt, auch gemeinsam mit italienischen und ausländischen Institutionen, Publikationen heraus und organisiert kulturelle Initiativen, Symposien, Ausstellungen und Lehrveranstaltungen.


Ausstellung "Leben der italienischen Militärinternierten"

Aus den Mitteln des Zukunftsfonds wurde auch die Ausstellung „. Von der Kriegsfront in die deutschen Lager 1943-1945“ in Rom finanziert, eine Wanderausstellung über das Schicksal der IMI, die in italienischen Schulen sowie am Sitz der ANRP in der via Labicana in Rom gezeigt wurde.


Museum in Padua (ANEI)

In Padua betreibt der Verband ANEI die Gedenkstätte und das Museum für die Militärinternierten. Aus dem Zukunftsfonds wurde der Mehrzwecksaal des Museums neu eingerichtet und die ANEI-Website neu gestaltet.

ANEI (Associazione Nazionale Ex Internati nei Lager nazisti), 1500 Mitglieder, vertritt die überlebenden italienischen Militärinternierten (IMI). Diese Soldaten hatten sich nach dem 8.9.1943 geweigert, für Nazideutschland/Republik von Salò weiterzukämpfen, und wurden in Lagern interniert. Mit ihrem „waffenlosen aber nicht wehrlosen Widerstand“ hofften sie auf ein freies, demokratisches Italien. ANEI setzte sich die „materielle und moralische Unterstützung“ der IMI zum Ziel, aber auch die Wahrung der Erinnerung und den Einsatz für den Frieden mit dem Motto: „Nie mehr Stacheldraht“, nie mehr Krieg. Der Verein hat ein Archiv mit Dokumenten und Zeitzeugenberichten, gibt Bücher heraus und organisiert internationale Symposien. Er betreibt das IMI-Museum neben der IMI-Gedenkstätte in Terranegra (Padua) und ließ in ganz Italien Gedenksteine anbringen. Die Mitglieder selbst sind hochbetagt, teilweise engagieren sich Nachkommen im Verein. Die Vereinszeitschriften werden auch in Schulen, Bibliotheken usw. verteilt.


Ausstellung in Berlin-Niederschöneweide

Aus den Mitteln des deutsch-italienischen Zukunftsfonds wurde in Berlin auf dem Gelände des "Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit" eine Dauerausstellung realisiert, die an die italienischen Militärinternierten erinnert. Sie wurde am 28.11.2016 durch den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier und den italienischen Außenminister Paolo Gentiloni feierlich eröffnet.




Ein Schwerpunkt bei der Umsetzung der Empfehlungen der Historikerkommission sind die sogenannten „Erinnerungsprojekte“ in Gemeinden, die von deutschen Kriegsverbrechen betroffen waren. Diese Verbrechen werden im Forschungsprojekt „Atlas der Gewalt“ (siehe rechts) erforscht und dokumentiert. Gemeinsam mit dem italienischen Außenministerium wählt die Botschaft die Projekte in den Gemeinden aus, stellt die Finanzmittel aus dem Zukunftsfonds bereit und begleitet die Projektpartner bei der Umsetzung.

Im Folgenden zeigen wir Ihnen, an welchen Orten in Italien es bereits solche Erinnerungsprojekte gibt.

Civitella / Val di Chiana

Hier verübten Wehrmachtssoldaten am 29.6.1944 ein Massaker an der Zivilbevölkerung. Sie töteten 244 Menschen. Eines der ersten Projekte aus dem Zukunftsfonds war die Sammlung und Digitalisierung von Daten und Materialien über das Massaker, sowie die Erstellung von Multimedia-Material. Außerdem wurde einer Schülergruppe ermöglicht, gemeinsam mit einem Regisseur einen Film über die Ereignisse zu drehen. Diese Initiativen wurden im Rahmen des Besuchs von Bundesaußenminister Steinmeier in Civitella zum 70. Jahrestag des Verbrechens angekündigt.

http://www.archiviodellamemoriacivitellavaldichiana.it/

Das Dokumentationszentrum in Bucine/San Pancrazio enthält digitalisierte Informationen und Materialien zu den Wehrmachtsmassakern im Val di Chiana vom 29.6.1944. Es befindet sich im Museo della Memoria di San Pancrazio und wurde am 15.6.2015 eingeweiht.

http://www.museidelvaldarno.it/musei/bucine/museo-della-memoria-san-pancrazio/

Marzabotto/Monte Sole

Hier begingen SS-Soldaten das schlimmste deutsche Kriegsverbrechen in Italien im Zweiten Weltkrieg. Mehr als 770 Menschen starben. Schon seit 2002 gibt es hier die vom Land Hessen initiierte Friedensschule Monte Sole, die auch aus dem Zukunftsfonds Unterstützung für eine Reihe von Projekten für Jugendliche und junge Forscher/innen unter dem Motto „Von Monte Sole nach Europa“ erhielt. Ein weiteres Projekt ist ein Schüleraustausch mit Schulen in Deutschland. Zudem wurde mit Mitteln aus dem Fonds in der neuen Bibliothek von Marzabotto ein Dokumentationszentrum in der "Casa della Cultura e della Memoria" eingerichtet. Es wurde am 28.1.2016 durch die Botschafterin Susanne Wasum-Rainer eingeweiht.
Weitere Infos unter: http://www.montesole.org/


Padule di Fucecchio

Das Sumpfgebiet „Padule di Fucecchio“ umfasst fünf Gemeinden (Ponte Buggianese, Monsummano Terme, Larciano, Fucecchio, Cerreto Guidi). In diesem Gebiet verübten Wehrmachtssoldaten ein Massaker an 175 Menschen am 23.8.1944. Auf dem Foto sehen Sie eine gemeinsame Gedenkveranstaltung der Gemeinden.

Im ehemaligen Zollgebäude „La Dogana“ von Ponte Buggianese wurde ein Dokumentationszentrum eingerichtet, in dem sich Besucher über das Massaker im Padule di Fucecchio vom 23.8.1944 informieren können. Es wurde am 9.11.2015 durch Bundesaußenminister Steinmeier und den italienischen Außenminister Gentiloni eingeweiht.

In Monsummano Terme wurden aus dem Zukunftsfonds 2014 ein Schülerwettbewerb an Grundschulen unter dem Titel „Orte und Erinnerungen unserer Region“ und ein Schüleraustausch finanziert; außerdem wurde 2015 die Kapelle auf dem örtlichen Friedhof, wo die Opfer des Massakers begraben liegen, restauriert.

In Fucecchio wurde 2015 der Garten des Gedenkens "Livio Lensi" vergrößert und neu angelegt. 

In Cerreto Guidi wurden Ende 2015 im Erinnerungsgarten Gedenktafeln in drei Sprachen aufgestellt.  


Palazzaccio/San Gusmé

Ein Erinnerungsprojekt anlässlich des 70. Jahrestages von Pallazzaccio, wo deutsche Soldaten am 4.7.1944 9 Zivilisten, darunter vor allem Frauen und Kinder, erschossen. Deutsche und italienische Schauspieler studierten hier gemeinsam mit Ortsbewohnern ein Theaterstück ein, das im Sommer 2014 auf dem Dorfplatz aufgeführt wurde. Am 19.11.2014 wurde im St. Pauli Theater Hamburg  die Videoaufzeichnung davon gezeigt. Es entstand parallel dazu ein Dokumentarfilm, der 2015 Premiere hatte.
Weitere Informationen unter: http://www.albicocche-rosse.it/


Sant’Anna di Stazzema

In diesem Ort töteten SS-Soldaten am 12.8.1944 560 Menschen, darunter viele Kinder. Das jüngste, Anna Pardini, war nur zwei Monate alt. Nach ihr ist die Kapelle benannt, die den Opfern des Massakers gewidmet ist, und die mit einem Beitrag aus dem Zukunftsfonds restauriert wurde. Am 2.6. fand die Einweihung der Kapelle statt. Das Foto zeigt den Besuch des deutschen Bundespräsidenten Gauck mit dem italienischen Staatspräsidenten Napolitano in Sant'Anna im Jahr 2013.
Weitere Informationen unter: http://www.santannadistazzema.org/sezioni/LA%20MEMORIA/

Im Rahmen des deutsch-italienischen Zukunftsfonds und darüber hinaus nehmen die deutschen Vertretungen und Organisationen viele Termine wahr, betreuen Projekte und Initiativen. Auf unseren Facebook-Seiten (@AmbasciataGermania Roma und @VillaAlmone) stellen wir diese vor und berichten über die Veranstaltungen zur Erinnerungskultur.

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt.

Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt.

Der Volksbund betreut heute im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von etwa 2,7 Millionen Kriegstoten auf über 832 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten. Er wird dabei unterstützt von mehr als einer Million Mitgliedern und Förderern sowie der Bundesregierung.


Am 19.12.2013 nahm der damalige Außenminister Westerwelle in Rom mit seinem italienischen Amtskollegen Giulio Terzi den Abschlussbericht der deutsch-italienischen Historikerkommission entgegen. Die Kommission war im November 2008 anlässlich des deutsch-italienischen Gipfels in Triest eingesetzt worden zur gemeinsamen Aufarbeitung der deutsch-italienischen Kriegsvergangenheit. Unter anderem enthält der Bericht, der besonders auch das Schicksal der ehemaligen italienischen Militärinternierten untersucht, konkrete Empfehlungen zur Schaffung einer gemeinsamen Erinnerungskultur.


Ein Schwerpunkt bei der Umsetzung der Empfehlungen der Historikerkommission sind die sogenannten „Erinnerungsprojekte“ in den Gemeinden, die von den deutschen Kriegsverbrechen betroffen waren. Diese Verbrechen werden im Forschungsprojekt „Atlas der Gewalt“ erforscht und dokumentiert. Gemeinsam mit dem italienischen Außenministerium wählt die Botschaft die Projekte in den Gemeinden aus, stellt die Finanzmittel aus dem Zukunftsfonds bereit und begleitet die Projektpartner bei der Umsetzung.

Der Bericht untersucht besonders das Schicksal der ehemaligen italienischen Militärinternierten und gibt konkrete Empfehlungen zur Schaffung einer gemeinsamen Erinnerungskultur.
Unter "Downloads" können Sie den gesamten Bericht herunterladen.

Italienischer Militärinternierter (IMI) war die deutsche Bezeichnung für die italienischen Soldaten, die von September bis November 1943 nach Abschluss des Waffenstillstandes zwischen Italien und den Alliierten von deutschen Truppen festgenommen wurden und sich weigerten, auf der Seite von Hitler und Mussolini den Krieg fortzusetzen. Diese 600.000 Soldaten wurden in Lagern interniert, zur Arbeit gezwungen, und erlitten Hunger, Kälte und Krankheiten. Viele kehrten nie zurück.


Totengedenkbuch (ANRP)

Aus den Mitteln des Zukunftsfonds wird das Totengedenkbuch finanziert, in dem durch deutsche und italienische Forscher alle IMI eingetragen werden, die 1943-45 in deutschen Lagern starben. Das italienische Außenministerium hat parallel hierzu Mittel für die Erstellung eines „biographischen Lexikons“ zur Erfassung der überlebenden IMI bereitgestellt. Der Verband ANRP führt das Projekt durch.

ANRP (Associazione Nazionale Reduci dalla Prigionia, dall’Internamento, dalla Guerra di liberazione e loro familiari) als Verein anerkannt seit 1949, vertritt die ehemaligen Internierten/Gefangenen und deren Familienmitglieder. Direkt nach dem 2. Weltkrieg waren es 600.000, heute noch 8.323. Im Laufe der Zeit hat der Verein seine Rolle neu interpretiert und widmet sich nun der historischen Forschung an Archivdokumenten und Zeugenaussagen, damit die Erinnerung an die Vergangenheit den zukünftigen Generationen zur Vertiefung des Wissens und zum Nachdenken dienen kann.
ANRP gibt, auch gemeinsam mit italienischen und ausländischen Institutionen, Publikationen heraus und organisiert kulturelle Initiativen, Symposien, Ausstellungen und Lehrveranstaltungen.


Ausstellung "Leben der italienischen Militärinternierten"

Aus den Mitteln des Zukunftsfonds wurde auch die Ausstellung „. Von der Kriegsfront in die deutschen Lager 1943-1945“ in Rom finanziert, eine Wanderausstellung über das Schicksal der IMI, die in italienischen Schulen sowie am Sitz der ANRP in der via Labicana in Rom gezeigt wurde.


Museum in Padua (ANEI)

In Padua betreibt der Verband ANEI die Gedenkstätte und das Museum für die Militärinternierten. Aus dem Zukunftsfonds wurde der Mehrzwecksaal des Museums neu eingerichtet und die ANEI-Website neu gestaltet.

ANEI (Associazione Nazionale Ex Internati nei Lager nazisti), 1500 Mitglieder, vertritt die überlebenden italienischen Militärinternierten (IMI). Diese Soldaten hatten sich nach dem 8.9.1943 geweigert, für Nazideutschland/Republik von Salò weiterzukämpfen, und wurden in Lagern interniert. Mit ihrem „waffenlosen aber nicht wehrlosen Widerstand“ hofften sie auf ein freies, demokratisches Italien. ANEI setzte sich die „materielle und moralische Unterstützung“ der IMI zum Ziel, aber auch die Wahrung der Erinnerung und den Einsatz für den Frieden mit dem Motto: „Nie mehr Stacheldraht“, nie mehr Krieg. Der Verein hat ein Archiv mit Dokumenten und Zeitzeugenberichten, gibt Bücher heraus und organisiert internationale Symposien. Er betreibt das IMI-Museum neben der IMI-Gedenkstätte in Terranegra (Padua) und ließ in ganz Italien Gedenksteine anbringen. Die Mitglieder selbst sind hochbetagt, teilweise engagieren sich Nachkommen im Verein. Die Vereinszeitschriften werden auch in Schulen, Bibliotheken usw. verteilt.


Ausstellung in Berlin-Niederschöneweide

Aus den Mitteln des deutsch-italienischen Zukunftsfonds wurde in Berlin auf dem Gelände des "Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit" eine Dauerausstellung realisiert, die an die italienischen Militärinternierten erinnert. Sie wurde am 28.11.2016 durch den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier und den italienischen Außenminister Paolo Gentiloni feierlich eröffnet.




Ein Schwerpunkt bei der Umsetzung der Empfehlungen der Historikerkommission sind die sogenannten „Erinnerungsprojekte“ in Gemeinden, die von deutschen Kriegsverbrechen betroffen waren. Diese Verbrechen werden im Forschungsprojekt „Atlas der Gewalt“ (siehe rechts) erforscht und dokumentiert. Gemeinsam mit dem italienischen Außenministerium wählt die Botschaft die Projekte in den Gemeinden aus, stellt die Finanzmittel aus dem Zukunftsfonds bereit und begleitet die Projektpartner bei der Umsetzung.

Im Folgenden zeigen wir Ihnen, an welchen Orten in Italien es bereits solche Erinnerungsprojekte gibt.

Civitella / Val di Chiana

Hier verübten Wehrmachtssoldaten am 29.6.1944 ein Massaker an der Zivilbevölkerung. Sie töteten 244 Menschen. Eines der ersten Projekte aus dem Zukunftsfonds war die Sammlung und Digitalisierung von Daten und Materialien über das Massaker, sowie die Erstellung von Multimedia-Material. Außerdem wurde einer Schülergruppe ermöglicht, gemeinsam mit einem Regisseur einen Film über die Ereignisse zu drehen. Diese Initiativen wurden im Rahmen des Besuchs von Bundesaußenminister Steinmeier in Civitella zum 70. Jahrestag des Verbrechens angekündigt.

http://www.archiviodellamemoriacivitellavaldichiana.it/

Das Dokumentationszentrum in Bucine/San Pancrazio enthält digitalisierte Informationen und Materialien zu den Wehrmachtsmassakern im Val di Chiana vom 29.6.1944. Es befindet sich im Museo della Memoria di San Pancrazio und wurde am 15.6.2015 eingeweiht.

http://www.museidelvaldarno.it/musei/bucine/museo-della-memoria-san-pancrazio/

Marzabotto/Monte Sole

Hier begingen SS-Soldaten das schlimmste deutsche Kriegsverbrechen in Italien im Zweiten Weltkrieg. Mehr als 770 Menschen starben. Schon seit 2002 gibt es hier die vom Land Hessen initiierte Friedensschule Monte Sole, die auch aus dem Zukunftsfonds Unterstützung für eine Reihe von Projekten für Jugendliche und junge Forscher/innen unter dem Motto „Von Monte Sole nach Europa“ erhielt. Ein weiteres Projekt ist ein Schüleraustausch mit Schulen in Deutschland. Zudem wurde mit Mitteln aus dem Fonds in der neuen Bibliothek von Marzabotto ein Dokumentationszentrum in der "Casa della Cultura e della Memoria" eingerichtet. Es wurde am 28.1.2016 durch die Botschafterin Susanne Wasum-Rainer eingeweiht.
Weitere Infos unter: http://www.montesole.org/


Padule di Fucecchio

Das Sumpfgebiet „Padule di Fucecchio“ umfasst fünf Gemeinden (Ponte Buggianese, Monsummano Terme, Larciano, Fucecchio, Cerreto Guidi). In diesem Gebiet verübten Wehrmachtssoldaten ein Massaker an 175 Menschen am 23.8.1944. Auf dem Foto sehen Sie eine gemeinsame Gedenkveranstaltung der Gemeinden.

Im ehemaligen Zollgebäude „La Dogana“ von Ponte Buggianese wurde ein Dokumentationszentrum eingerichtet, in dem sich Besucher über das Massaker im Padule di Fucecchio vom 23.8.1944 informieren können. Es wurde am 9.11.2015 durch Bundesaußenminister Steinmeier und den italienischen Außenminister Gentiloni eingeweiht.

In Monsummano Terme wurden aus dem Zukunftsfonds 2014 ein Schülerwettbewerb an Grundschulen unter dem Titel „Orte und Erinnerungen unserer Region“ und ein Schüleraustausch finanziert; außerdem wurde 2015 die Kapelle auf dem örtlichen Friedhof, wo die Opfer des Massakers begraben liegen, restauriert.

In Fucecchio wurde 2015 der Garten des Gedenkens "Livio Lensi" vergrößert und neu angelegt. 

In Cerreto Guidi wurden Ende 2015 im Erinnerungsgarten Gedenktafeln in drei Sprachen aufgestellt.  


Palazzaccio/San Gusmé

Ein Erinnerungsprojekt anlässlich des 70. Jahrestages von Pallazzaccio, wo deutsche Soldaten am 4.7.1944 9 Zivilisten, darunter vor allem Frauen und Kinder, erschossen. Deutsche und italienische Schauspieler studierten hier gemeinsam mit Ortsbewohnern ein Theaterstück ein, das im Sommer 2014 auf dem Dorfplatz aufgeführt wurde. Am 19.11.2014 wurde im St. Pauli Theater Hamburg  die Videoaufzeichnung davon gezeigt. Es entstand parallel dazu ein Dokumentarfilm, der 2015 Premiere hatte.
Weitere Informationen unter: http://www.albicocche-rosse.it/


Sant’Anna di Stazzema

In diesem Ort töteten SS-Soldaten am 12.8.1944 560 Menschen, darunter viele Kinder. Das jüngste, Anna Pardini, war nur zwei Monate alt. Nach ihr ist die Kapelle benannt, die den Opfern des Massakers gewidmet ist, und die mit einem Beitrag aus dem Zukunftsfonds restauriert wurde. Am 2.6. fand die Einweihung der Kapelle statt. Das Foto zeigt den Besuch des deutschen Bundespräsidenten Gauck mit dem italienischen Staatspräsidenten Napolitano in Sant'Anna im Jahr 2013.
Weitere Informationen unter: http://www.santannadistazzema.org/sezioni/LA%20MEMORIA/

Im Rahmen des deutsch-italienischen Zukunftsfonds und darüber hinaus nehmen die deutschen Vertretungen und Organisationen viele Termine wahr, betreuen Projekte und Initiativen. Auf unseren Facebook-Seiten (@AmbasciataGermania Roma und @VillaAlmone) stellen wir diese vor und berichten über die Veranstaltungen zur Erinnerungskultur.

Der Volkstrauertag wurde durch den 1919 gegründeten zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt.

Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt.

Der Volksbund betreut heute im Auftrag der Bundesregierung die Gräber von etwa 2,7 Millionen Kriegstoten auf über 832 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten. Er wird dabei unterstützt von mehr als einer Million Mitgliedern und Förderern sowie der Bundesregierung.